Wie ein Weg zurück ins Leben gelingen kann

Eine Genesungsbegleiterin erzählt im Fernsehbeitrag eine Geschichte, die Mut macht. Er zeigt, dass auch nach vielen Jahren mit Depressionen und Erwerbsunfähigkeit neue Perspektiven entstehen können.

In der Lokalzeit OWL vom 31. März 2026 berichtet der WDR über Anita Zarrath, die heute als Genesungsbegleiterin arbeitet. Ihre eigene Lebensgeschichte steht exemplarisch für das, was unter dem Begriff „Recovery“ verstanden wird: die Möglichkeit, trotz psychischer Erkrankungen wieder ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Den Beitrag finden Sie hier (ab Minute 18:55).

Ein persönlicher Weg zurück in den Alltag

Viele Jahre war Anita Zarrath aufgrund ihrer Depressionen nicht erwerbstätig. Heute ist sie zurück im Arbeitsleben – und begleitet andere Menschen auf ihrem Weg. Im Beitrag sagt sie: „Ich bin total dankbar, dass ich jetzt die Kraft und die Lust habe, noch was zu wuppen.“

Dieser Satz bringt auf den Punkt, worum es geht: nicht um eine schnelle Heilung, sondern um Entwicklung, um kleine Schritte und darum, wieder Sinn im eigenen Leben zu finden. Die Geschichte von Anita Zarrath zeigt, dass Veränderung möglich ist – auch nach langen Phasen der Krise.

Unterstützung auf Augenhöhe

Genesungsbegleiter sind Menschen, die selbst psychische Krisen erlebt haben und diese Erfahrungen in ihre Arbeit einbringen. Sie unterstützen Betroffene im Alltag, hören zu, geben Orientierung und vermitteln vor allem eines: Verständnis auf Augenhöhe.

Gerade für Menschen in schwierigen Lebenssituationen kann diese Form der Begleitung entscheidend sein. Sie ergänzt die Arbeit von Therapeuten, Sozialarbeitern und Eingliederungshilfen um eine Perspektive, die aus eigener Erfahrung gewachsen ist.

Gemeinsam lernen, neue Perspektiven entwickeln

Ein Ort, an dem dieser Ansatz sichtbar wird, ist das Recovery College Bielefeld. Dort lernen Menschen mit und ohne Krisenerfahrung gemeinsam, wie seelische Gesundheit gestärkt werden kann. Themen wie Selbstfürsorge, Resilienz und Lebensgestaltung stehen im Mittelpunkt.

Die Kurse orientieren sich formal an klassischen Bildungsangeboten, unterscheiden sich jedoch in einem wesentlichen Punkt: Viele werden von Menschen geleitet, die selbst Krisenerfahrungen gemacht haben. Dieses gemeinsame Lernen schafft Raum für Austausch, Verständnis und neue Perspektiven.

Die Geschichte von Anita Zarrath ist damit mehr als ein Einzelfall. Sie steht für eine Haltung, die zunehmend an Bedeutung gewinnt: dass Teilhabe, Entwicklung und berufliche Rückkehr auch nach langen Krankheitsphasen möglich sind.

Fachbereichsleiter Thorsten Buick ergänzt: „Der Recovery-Gedanke ist nicht nur im Recovery College verankert, sondern spielt auch im Angebotsspektrum des Fachbereichs Beratung & Betreuung eine feste Rolle. Neben der Tätigkeit von Anita Zarrath als Genesungsbegleiterin gehören dazu unter anderem Praktikumsmöglichkeiten für Absolventen der Ex-In-Qualifizierung sowie die seit vielen Jahren etablierte Stabilisierungsgruppe im Betreuten Wohnen.“ Perspektivisch soll dieser Bereich weiter ausgebaut werden – vorausgesetzt, es stehen entsprechende Refinanzierungsmöglichkeiten zur Verfügung.

 

Gesellschaft für Sozialarbeit Bielefeld e.V.
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