Es wurde gespielt, musiziert, gegessen und erzählt. Vor allem aber zeigte der Nachmittag, wie wichtig Orte sind, an denen Menschen unabhängig von Herkunft, Lebensgeschichte oder gesundheitlichen Belastungen selbstverständlich zusammenkommen.
Schon beim Ankommen war spürbar, dass dieses Kulturfest mehr sein wollte als ein gemeinsamer Nachmittag. Menschen aus dem Betreuten Wohnen, der Tagesstätte und der Kontaktstelle begegneten sich auf Augenhöhe. Es wurde gelacht, diskutiert und gemeinsam gegessen. Für viele Besucher war es ein seltenes Erlebnis, Teil einer größeren Gemeinschaft zu sein.
Gemeinschaft statt Alltagstrennung
Im Mittelpunkt stand ein großes Gruppenspiel: In kleinen Teams mussten die Gäste bekannte Motive und Orte aus Bielefeld erkennen. Dazu kamen ein Gedichtvortrag und musikalische Beiträge. Später saßen alle an einem langen Buffet zusammen, zu dem viele selbst zubereitete Speisen beigetragen hatten.
„Es war beeindruckend zu sehen, wie offen die Menschen aufeinander zugegangen sind“, sagt Regine Schrader. „Viele hatten zunächst gar nicht mit so vielen Gästen gerechnet. Dass am Ende fast 90 Menschen zusammen gefeiert haben, zeigt, wie groß das Bedürfnis nach Begegnung ist.“
Gerade für Menschen, die psychische Belastungen erleben oder in schwierigen Lebenssituationen Unterstützung benötigen, sind solche Momente bedeutsam. Sie schaffen Kontakte jenseits von Therapie, Betreuung oder Behördenwegen. Die GfS begleitet Menschen im Alltag – mit fachlicher Unterstützung, aber auch mit dem Anspruch, soziale Teilhabe möglich zu machen.
Ein Fest mit langer Geschichte
Das Kulturfest fand im Rahmen der Bielefelder Aktionswochen gegen Rassismus statt und steht zugleich für ein Thema, das die Arbeit der GfS seit vielen Jahren prägt: interkulturelle Öffnung und migrationssensible Unterstützung. Bereits seit den frühen 2000er Jahren engagieren sich Mitarbeiter in Arbeitsgemeinschaften und Netzwerken zu Migration und psychosozialer Versorgung.
„Die Fragen rund um Migration und Teilhabe gehören längst zum Alltag sozialer Arbeit“, sagt Frank Pellmann, stellvertretende Fachbereichsleiter. „Es geht darum, Menschen so zu begleiten, dass ihre persönliche Geschichte, ihre Sprache und ihre kulturellen Erfahrungen ernst genommen werden.“
Die Mitarbeiter bringen diese Erfahrungen auch in städtische Netzwerke und Fachgremien ein. Dort geht es unter anderem darum, wie Hilfsangebote besser zugänglich werden können – besonders für Menschen, die Unterstützungssysteme oft erst spät erreichen oder schlechte Erfahrungen mit Behörden gemacht haben.
Vielfalt als praktische Erfahrung
Beim Kulturfest wurde diese Haltung greifbar. Nicht in Form großer Reden, sondern in vielen kleinen Situationen: beim gemeinsamen Essen, bei Gesprächen zwischen Menschen, die sich vorher nicht kannten, oder beim spontanen Applaus nach einem Musikstück.
„Solche Veranstaltungen leben vom Engagement vieler Kolleg*innen“, sagt Frank Pellmann. „Und sie zeigen, was möglich wird, wenn Menschen sich willkommen fühlen.“
Für die GfS ist das mehr als ein einmaliges Fest. Es ist Teil eines Verständnisses sozialer Arbeit, das Menschen nicht auf Krisen oder Diagnosen reduziert. Unterstützung bedeutet hier auch, Räume für Begegnung zu schaffen – mit Respekt, Fachlichkeit und Menschlichkeit.
Fotos: Sarah Jonek














