Morgens um kurz nach sieben fährt Koray Paktas seinen Laptop hoch, klickt sich ins Ticketsystem und schaut, wo es heute klemmt. Vielleicht ist es ein Drucker, der nicht druckt. Vielleicht ist es eine Telefonanlage, die an einem neuen Standort noch nicht das tut, was sie soll. Vielleicht ist es aber auch ein ganzes Netzwerk, das eingerichtet werden muss, damit in einer Kita nicht nur in den Gruppenräumen, sondern auch im Büro gearbeitet werden kann.
Koray Paktas ist 26, kommt aus Herford, spielt in seiner Freizeit Volleyball und Basketball, liest gern, schaut Serien und mag Brettspiele. Sein Lebenslauf ist kein gerader Strich, sondern eher Zickzack-Lebenslauf: Ausbildung zum technischen Bauassistenten, ein begonnenes Architekturstudium, sechs Jahre Arbeit bei Kaufland. Und dann, im August 2025, der Neustart: Ausbildung zum Kaufmann für IT-System-Management bei der Gesellschaft für Sozialarbeit Bielefeld e.V. (GfS).
Ein Beruf, der mehr will als Kabel verlegen
Was reizt einen jungen Mann, der auch in der freien Wirtschaft unterkommen könnte, an einem sozialen Träger? Koray Paktas überlegt nicht lange. „Ich wollte IT und etwas Kaufmännisches machen, aber nicht nur für Zahlen und Umsätze. Ich wollte Mitarbeitern helfen, die Menschen helfen.“
Die GfS unterstützt Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen: in Kitas, in Beratungsangeboten, in sozialen Einrichtungen – über 300 PC-Arbeitsplätze plus Telefonanlagen, Serverräumen etc. „Im sozialen Bereich sieht man direkt, wofür man arbeitet. Es geht nicht nur um Systeme, sondern darum, den Alltag für andere leichter zu machen.“ Dieser Gedanke habe ihn überzeugt. Ob E-Mails ankommen, ob Dokumentationen möglich sind, ob Kommunikation klappt.
„Unsere IT sorgt dafür, dass die Arbeit vor Ort bestmöglich unterstützt wird“, sagt der kaufmännische Leiter Jens Grabbe. „Ohne stabile Systeme und Telefonanlagen läuft keine Kita, kein Beratungsangebot und keine Verwaltung. Deshalb investieren wir bewusst in die Ausbildung und begleiten unsere Nachwuchskräfte eng.“
Für Koray Paktas bedeutet das: nicht nur zuschauen, sondern machen. Anfragen prüfen, Lösungen suchen, Projekte begleiten. Er lernt, Angebote zu vergleichen, Bedarfe zu analysieren, Systeme einzurichten – und auch, sie verständlich zu erklären.
Theorie trifft Wirklichkeit
In der Berufsschule geht es um Netzwerke, IP-Adressen, wirtschaftliche Prozesse. Begriffe, die abstrakt klingen können. In der Praxis werden sie konkret. Etwa wenn mehrere Standorte technisch miteinander verbunden werden sollen oder wenn ein neues Telefonsystem eingerichtet wird und plötzlich die Klingeln in der Kita nicht so reagieren wie geplant.
Koray Paktas hat erlebt, wie Theorie und Praxis ineinandergreifen. „In der Schule lernt man, wie so ein System aufgebaut ist. Hier sehe ich, was passiert, wenn es nicht funktioniert – und wie man es wieder zum Laufen bringt.“
Ein besonderer Moment war für ihn ein Vortrag, den er für rund 30 Mitarbeitende hielt. Spontan, mit wenig Vorlauf. Der Chef hatte keine Zeit, also sprang der Auszubildende ein. „Ich wurde ins kalte Wasser geworfen“, sagt er. „Aber die Herausforderung hat mit richtig viel Spaß gemacht und ich habe viel tolles Feedback bekommen.“
Mitgestalten statt Anonymität
Wer an IT denkt, hat oft Serverräume ohne Fenster oder Großraumbüros mit Hunderten von Mitarbeitenden vor Augen. Bei einem sozialen Träger sieht der Arbeitsalltag anders aus. Das Team ist überschaubar und arbeitet eng zusammen. Die 40 GfS-Standorte sind sehr unterschiedlich, haben aber alle eine familiäre Atmosphäre. Man kennt sich. Und bekommt auch Einblicke in den Kita-Alltag oder in das Nachmittagsprogramm der verschiedenen Wohnprojekte für Menschen mit Behinderung, mit psychischen Erkrankungen oder mit Suchterkrankungen.
„In großen Unternehmen geht man schnell unter“, sagt Koray Paktas. „Hier merke ich, dass meine Arbeit wahrgenommen wird.“ Man komme in die Einrichtungen, spreche mit den Erzieherinnen, Verwaltungsmitarbeitern und Leitungen. Und sehe direkt, wer von einer Lösung profitiert.
Das verlangt mehr als technisches Wissen: Geduld etwa, wenn jemand im Umgang mit digitalen Systemen noch unsicher ist. Die Fähigkeit, komplizierte Sachverhalte verständlich zu erklären. Und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Technisches Interesse sei wichtig, sagt Koray Paktas. Ein Gefühl dafür, wie Computer funktionieren und wie man Probleme systematisch angeht. „Aber entscheidend ist vor allem der Umgang mit Menschen.“
Eine Ausbildung mit doppeltem Boden
IT gilt als Zukunftsbranche. Der soziale Bereich ebenso – nicht, weil er Trends folgt, sondern weil die Arbeit mit Menschen zutiefst menschlich bleibt und nicht durch Technik ersetzt werden kann. Die Kombination aus beidem macht den Berufsweg, nüchtern betrachtet, zukunftsfest.
Wer sich für die Ausbildung zum Kaufmann für IT-System-Management bei der Gesellschaft für Sozialarbeit Bielefeld entscheidet, lernt nicht nur technische Systeme zu betreuen, sondern auch, sie wirtschaftlich zu planen und im sozialen Kontext umzusetzen. Von Beginn an arbeiten die Auszubildenden aktiv mit, übernehmen Verantwortung und erhalten Einblicke in unterschiedliche Einrichtungen und Arbeitsfelder.
Weitere Informationen zu Inhalten, Voraussetzungen und Bewerbungsmodalitäten finden sich hier.
Koray Paktas hat seinen Platz gefunden, sagt er. Nicht nur, weil er gern am PC arbeitet, sondern auch, weil er viel Kontakt mit Menschen hat. „Das IT-Technische und das Kaufmännische ist mein Ding – und besonders auch der Kontakt zu Menschen. Davon bin ich ein großer Fan.“


