Mehr Selbstständigkeit – und trotzdem nicht allein

Ein eigenes Apartment, ein selbstbestimmter Alltag und gleichzeitig Anschluss an eine lebendige Gemeinschaft: In Bielefeld-Sennestadt gibt es ein erweitertes Wohnangebot, das Menschen mit Behinderung neue Möglichkeiten eröffnet.

Ein eigenes Zuhause, in dem man selbst entscheidet, wie der Alltag aussieht – und gleichzeitig Menschen in der Nähe hat, wenn Unterstützung gebraucht wird. Genau dieses Zusammenspiel aus Selbstständigkeit und Gemeinschaft prägt das neue Wohnangebot WG Bullerbach Plus in Bielefeld-Sennestadt. Mit den modernen Einzelapartments wird das bestehende Wohnkonzept rund um die Wohngemeinschaften Bullerbach erweitert.

Bereits heute leben in den Wohngemeinschaften Bullerbach I und II Menschen mit Behinderung zusammen im barrierefreien Erdgeschoss. Die Bewohner verfügen über eigene Zimmer mit Bad, rund 20 Quadratmeter groß, die sie individuell gestalten können. Gleichzeitig stehen Gemeinschaftsräume zur Verfügung – etwa der zentrale Aufenthaltsraum der WG oder ein Bad mit Badewanne, das gemeinsam genutzt wird.

Allein wohnen – mit Anschluss an die Gemeinschaft

Mit den neuen Apartments wird das bestehende Angebot nun ergänzt. Die Wohnungen richten sich an Menschen mit geistiger Behinderung, die möglichst selbstständig leben möchten, dabei aber ambulante Unterstützung in Anspruch nehmen können. Das Konzept des ambulant betreuten Wohnens mit intensiver Unterstützung verbindet ein hohes Maß an Eigenständigkeit mit der Sicherheit professioneller Begleitung.
„Viele Menschen wünschen sich eine eigene Wohnung und mehr Selbstständigkeit im Alltag“, sagt Fachbereichsleiterin Nina Alhäuser. „Mit diesem Angebot schaffen wir genau diese Möglichkeit – ohne dass jemand auf Unterstützung oder soziale Kontakte verzichten muss.“
Die Einzelapartments bieten mit rund 48 Quadratmetern ausreichend Platz für individuelles Wohnen. Zur Ausstattung gehören zwei Zimmer, eine Küche und ein großzügiges Badezimmer. Alle Wohnungen sind vollständig barrierefrei gestaltet. Rollstuhlgerechte Bäder, elektrische Türen, ein ebenerdiger Zugang zum Gebäude sowie ein Fahrstuhl sorgen dafür, dass sich die Bewohner möglichst selbstständig im Alltag bewegen können.

Das eigene Apartment als Rückzugsort

Wie das konkret aussehen kann, zeigt das Beispiel von Bastian Burkert, 32 Jahre alt. Er ist im vergangenen Sommer eingezogen – zunächst mit der Idee, das neue Angebot einfach einmal auszuprobieren. Inzwischen ist er angekommen. Unter der Woche arbeitet er in einer Werkstatt und übt zunehmend, den Weg dorthin selbstständig mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen.

Sein Apartment ist für ihn vor allem ein Rückzugsort. Hier kann er zur Ruhe kommen, sich zurückziehen und seinen eigenen Rhythmus leben. Gleichzeitig nutzt er die Angebote der Wohngemeinschaft ganz bewusst: Er kocht gelegentlich mit anderen, nimmt an Ausflügen teil oder schaut gemeinsam Fußball – als bekennender Arminia-Fan lässt er sich diese Gelegenheiten ungern entgehen. Auch zu einigen Mitbewohnern hat er bereits engeren Kontakt geknüpft.

An den Wochenenden fährt Bastian Burkert manchmal zu seinen Eltern, ist aber ebenso gern in der WG, wenn dort Aktivitäten anstehen. Gerade diese Mischung aus Eigenständigkeit und Gemeinschaft macht für ihn den Unterschied. Ursprünglich war sogar überlegt worden, ihn in eine klassische Wohngruppe aufzunehmen – heute zeigt sich, dass das Apartment mit Anbindung an die WG der richtige Schritt war.

Seine Eltern erleben diese Entwicklung mit großer Erleichterung: „Wir freuen uns, dass Bastian sich mittlerweile sehr gut in der WG Bullerbach Plus eingelebt hat. Er ist sehr stolz auf seine erste eigene Wohnung. Durch die enge Anbindung an die WG hat er aber auch die Möglichkeit, die Vorzüge des WG-Lebens zu genießen. Es ist schön zu sehen, wie Bastian dazu lernt und die Möglichkeit hat, immer selbstständiger zu werden und Schritt für Schritt in Richtung eigenständiges Leben geht."

Ein Garten verbindet Wohnen und Begegnung

Trotz eigener Wohnung bleiben die Bewohner Teil einer Gemeinschaft. Durch die direkte Anbindung an die Wohngemeinschaften Bullerbach I und II entstehen viele Möglichkeiten für Begegnungen im Alltag. Wer möchte, kann gemeinsam kochen, einen Filmabend verbringen oder einfach Zeit miteinander verbringen.

Auch der Garten, der direkt an das Gebäude anschließt, trägt dazu bei. Über die Terrassen der Wohngemeinschaften I und II ist er leicht erreichbar und bietet Raum für Gespräche, Entspannung und gemeinsame Aktivitäten im Freien.

„Uns ist wichtig, dass jeder seinen eigenen Rückzugsort hat – und gleichzeitig Teil einer Gemeinschaft sein kann“, erklärt WG-Leiterin Annabelle Bressem. „Viele Bewohner genießen genau diese Mischung aus eigener Wohnung und gemeinsamen Momenten.“

Unterstützung, wenn sie gebraucht wird

Die Bewohner organisieren ihren Alltag weitgehend selbst: „Sie laden Freunde ein, gehen ihren Hobbys nach oder gestalten ihre Freizeit nach eigenen Vorstellungen. Gleichzeitig steht Unterstützung zur Verfügung, wenn sie benötigt wird“, sagt Bezugsmitarbeiter Markus Block. 
Ambulante Dienste sowie Assistentinnen und Assistenten der GfS unterstützen beispielsweise beim Einkaufen, Kochen, bei Arztbesuchen oder bei der Freizeitgestaltung. Die Mitarbeiter sind vor allem nachmittags vor Ort, wenn viele Bewohner von der Arbeit nach Hause kommen, sowie am Wochenende. In der Nacht sorgt eine Schlafbereitschaft für zusätzliche Sicherheit.

So entsteht ein Wohnumfeld, das Selbstbestimmung ermöglicht und gleichzeitig verlässliche Unterstützung bietet – ein Zuhause, das sowohl Freiheit als auch Gemeinschaft zulässt.

 

Gesellschaft für Sozialarbeit Bielefeld e.V.
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