Die Stadtteilmütter und ein Deutschkurs durchs Leben

​​​​​​​Im Sprachcafé Oberlohmannshof wird neben Deutsch auch voneinander gelernt. Dazu leisten die Stadtteilmütter einen großen Beitrag. Zwei außergewöhnliche Projekte, die sich immer wieder neu erfinden und so kürzlich auch ein Filmteam ins Quartier gelockt haben.  

Es ist abgemacht! Der nächste gemeinsame Ausflug wird eine Fahrt mit der Wuppertaler Schwebebahn. „Hat jemand von euch Höhenangst?“, fragt Zozan Tomar mit einem Augenzwinkern in die 15-köpfige Runde und erklärt im nächsten Satz gleich wie „die Angst vor der Höhe“ in der deutschen Wortbildung funktioniert.

Die pädagogische Leiterin des Sprachcafés Oberlohmannshof hatte gerade nach den Wochenerlebnissen der Frauen gefragt, die sich dort zwei Mal pro Woche zum Deutsch lernen treffen.
„Ein Hochzeitsbesuch? In welcher Stadt? Ah, wisst ihr was dort in der Nähe ist?“. In familiärer Atmosphäre mit frischem Kaffeeduft erzählt Tomar die tragische Geschichte vom Elefanten, der damals mit der Schwebebahn abgestürzt ist. Von hier aus hangeln sich die Frauen gemeinsam weiter vor zu Themen wie Verlust, Liebe mit und ohne Worte – jeder Treff ist ein kleiner Ausflug in die unterschiedlichen Leben der Teilnehmerinnen und mit Tomar als Navigatorin wird der Ausflug auch zur Sprachreise. 

Frauen im Quartier werden selbst aktiv
Gefördert durch die Rege, hat die GfS 2015 mit dem ersten von mittlerweile drei Sprachcafés in den drei Treffpunkten ein niedrigschwelliges Sprachlern-Angebot für Geflüchtete geschaffen. Gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist vor Ort mit der Zeit aber deutlich mehr entstanden als ein Sprachkurs. „Wir lernen nicht nur viele neue Worte und Zusammenhänge, sondern sind auch zu Freunden geworden und helfen uns im Alltag“, sagt Atia Ali, die mit ihrer Familie aus Syrien kam. „Im Sprachcafé wird über das gesprochen, was die Teilnehmerinnen interessiert und bewegt, nicht, was das nächste Kapitel im Lehrbuch wäre“, sagt Stadtteilmutter Sheima Ebed über die Treffs in der Orionstraße. Vor Ort gemeinsam leben, lernen „und ab und zu auch mal eine Party oder Ausflüge machen“, ergänzt die Runde.  

Der blaue Schal der Stadtteilmütter
Atia Ali geht seit 2016 regelmäßig ins Sprachcafé und hat durch ihre Kenntnisse mittlerweile selbst mit sieben anderen Frauen eine soziale Vermittlungsposition in ihrem Quartier eingenommen. Als „Stadtteilmutter“ hilft sie anderen Familien, leichter Zugang zu Informationen, Beratung und Angeboten der Stadt oder auch der GfS zu bekommen. Erkennbar an ihren blauen Schals sind sie im Quartier auf der Straße ansprechbar, bauen Brücken, fördern die Kommunikation und laden beispielsweise auch zum Sprachcafé oder ganz neu – einer kleinen Energieberatung ein. „Unsere Stadtteilmütter bringen zusammen fünf Muttersprachen in die Arbeit der Stadtteilkoordination ein. Das ist sehr wertvoll für die Menschen die hier leben und erleichtert die Kommunikation sehr“, freut sich Stadtteilkoordinatorin Friederike Kneip. Die inhaltliche Begleitung des Stadtteilmutter-Projekts erfolgt durch Nina Vogel von dem Büro für Integrierte Sozialplanung und Prävention der Stadt Bielefeld.

Filmteam des WDR dokumentiert die Arbeit
Dieses besondere Geflecht aus Sprach-, Integrations- und Sozialprojekt erweckt auch über die Grenzen der Orionstraße hinaus Aufmerksamkeit. So wurden die Stadteilmütter Atia Ali und Salome Chigosie kürzlich bei einem Hausbesuch in der Nachbarschaft zur Energieberatung von einem Filmteam des WDR begleitet. Dank einer mehrstündigen Schulung durch Verbraucherzentrale und Stadtwerke konnten die Frauen bereits in vielen Familien im Quartier Einsparungspotenziale für den Energieverbrauch im Winter aufzeigen. Zuvor hatten sie das Filmteam bereits mit ins Sprachcafé genommen und dort einen kleinen Einblick in die großen Zusammenhänge der gemeinsamen Quartierarbeit gegeben.
 

Hier geht es zur WDR Lokalzeit, unser Beitrag beginnt bei Minute 17.40.

 

Werden vom WDR gefilmt: Die Stadtteilmütter der GfS

Gesellschaft für Sozialarbeit Bielefeld e.V.
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