v.l. Wael, Dana, Umay und Sandro gehören zu den Kindern, die die Plakate entwickelt haben. Sie zeigen die fertigen Plakate gemeinsam mit Dilek Dogan-Alagöz und Erhan Kara.

v.l.: Wael, Kisha und Sandro arbeiten an den Plakathintergründen mit der Ebru-Technik.

Kinder machen Wünsche zur Wahl sichtbar

20.09.2020

Die Kandidat*innen und Parteien haben ihre Botschaften zur Kommunalwahl gut sichtbar überall in der Stadt platziert. Im 5. Kanton im Bielefelder Osten werden sie allerdings hier und da ergänzt mit Forderungen und Wünschen der Bewohner des Viertels. "Wir wollten das, was den Menschen hier im Stadtteil am Herzen liegt, sichtbar machen", sagt Erhan Kara, Leiter des Treffpunkts Liebigstraße der GfS.

Das Projekt mit sieben Kindern erhält sogar eine Förderung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Beteiligt sind auch der Verein Zentrum Tempus Bielefeld e.V. und die Stadtteilkoordination der AWO Kreisverband Bielefeld e.V. "Mit dem Projekt wollen wir den teilnehmenden Kindern auch zeigen, wie Demokratie funktioniert", sagt der Stadtteilkoordinator Leif Pollex. So gab es erst eine Einführung in das Wesen der Demokratie, dann entwickelten die Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren einen Fragebogen und zogen, begleitet von Erwachsenen, durch den Stadtteil. Sie klingelten bei Nachbarn, befragten Alt und Jung auf Spielplätzen, auf dem Wochenmarkt und im Aktivitätenzentrum. Bis Ende Juli kamen so an die 100 Interviews zusammen. Gefragt wurde etwa nach Wünschen für den Stadtteil, nach der Zufriedenheit mit dem Leben im Quartier oder nach mehr Sauberkeit und Einsatz für die Natur. Die Interviews seien gut gelaufen, "die Menschen waren offen, fanden das Projekt interessant und berichteten gerne", sagt Leif Pollex.

Die Kinder haben dann gemeinsam entschieden, welche Aussagen auf die Plakate kommen. Fünf unterschiedliche Motive im Format A1 wurden gedruckt. Die Themen sind unter anderem: Mehr Sauberkeit auf den Straßen und Spielplätzen, die Forderung nach einem Stadtteilzentrum und mehr kulturellen Angeboten für alle Altersgruppen, mehr Unterstützung für Alleinerziehende und für ökonomisch benachteiligte Familien, bezahlbare Wohnungen, häufigere Abfahrtszeiten der Buslinien und auch günstigere Fahrkarten.

Die Plakate sind im Stadtteil zwischen der Heeperstraße und der Eckendorfer Straße zu sehen. „Um unter anderem die Lokalpolitik dazu zu bringen bürgernahe Entscheidungen zu treffen, muss man sich immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass jeder einzelne ein Teil der repräsentativen Demokratie in diesem Land ist und somit die Verantwortung hat, möglichst viele Partizipationsmöglichkeiten auszuschöpfen. Wir haben mit diesem Projekt mehrere Ziele anvisiert. Wir möchten nicht nur junge Menschen für demokratische Mitbestimmungsrechte sensibilisieren, sondern auch Bürger*innen aktivieren an politischen Teilhabeprozessen mitzuwirken“, sagt Erhan Kara, Leiter des Projekts „Stärkung des Demokratiebewusstseins und der Partizipation durch interkulturelle Teilhabe bei 10-14jährigen“.

Und es waren auch die Kinder, die die Plakate gestaltet haben. Dafür hat der Künstler Mutlu Yilmazer gesorgt. Von ihm unterstützt, haben die Kinder Ebru-Bilder entstehen lassen. "Ebru ist eine alte Kulturtechnik, ein Tanz der Farben auf dem Wasser", erklärt Mutlu Yilmazer. Die Kinder fügen dem Wasser Farben hinzu, die dann oben schwimmen und mit einem Pinsel oder Stab geformt werden. Anschließend wird ein Papierbogen aufgelegt und die Wasserkunst praktisch abgezogen. "Ebru ist eine universelle Technik, ursprünglich aus Japan kommend, verbreitete sie sich in Persien und Anatolien, sie ist also nicht einer einzigen Kultur zuzuordnen", sagt der in Bielefeld lebende Künstler. Die Kinder waren geradezu begeistert, immer neue Muster entstehen zu lassen. Die Ebru-Technik weckte ihre Kreativität und wirkte geradezu meditativ.

Für die Kreativität holten die Projektbeteiligten auch A. Patrick Njoh. N mit ins Boot. Der machte mit den Kindern Musik, auf Trommeln, an der Gitarre, auf dem Piano, mit dem Cajon. "Musik ist wie das Leben. Alles ist passend, man muss nur lernen, wie man das Ganze zusammenfügt", sagt der Musiker. "Mit dem musikalischen Teil geben wir den Kindern eine zusätzliche Stimme", sagt Dilek Dogan-Alagöz, Mitarbeiterin des ebenfalls beteiligten Vereins Zentrum Tempus Bielefeld e.V. Was die Kinder musikalisch entwickelt haben, wird bei einer Abschlussveranstaltung am 14. Oktober rund um den Treffpunkt Liebigstraße zu sehen sein.

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