Eine bessere Versorgung mit Kinderärzten fordern (v.l.n.r.) Stadtteilkoordinator Leif Pollex, Kitaleiterin Friederike Stoye und Treffpunktleiter Erhan Kara

Kinderärztliche Sprechstunde im Gesundheitsamt gefordert

08.08.2019

Der Koordinationskreis Ost fordert kurzfristig die Einrichtung einer kinderärztlichen Sprechstunde im Gesundheitsamt. Langfristig soll die kinderärztliche Versorgung in Bielefeld-Mitte verbessert werden. Noch bis Ende September sammelt der Koordinationskreis Unterschriften, um bei der Verwaltung und Politik Gehör zu finden.

"In den vergangenen Jahren ist es deutlich schlechter geworden", lautet die Diagnose von Friederike Stoye, Leiterin des Evangelischen Familienzentrums Haus Pusteblume in der Feldstraße, wenn es darum geht, wie die kinderärztliche Versorgung in Bielefeld-Mitte ist. Sie bekommt das beinahe täglich und hautnah mit. Die Kita nimmt nur Kinder auf, die an Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen. Doch Eltern im Einzugsgebiet der Kita im Bielefelder Osten haben Schwierigkeiten, überhaupt einen Kinderarzt zu finden, der die Vorsorge macht und der darüber hinaus zur Verfügung steht. "Für ein Kind, das sich den Kopf geschlagen hatte, konnte ich erst nach langem Telefonieren einen Kinderarzt finden, allerdings in Sennestadt", berichtet Friederike Stoye. Aus Sicht der Kassenärztlichen Vereinigungen ist eine Entfernung von bis zu 20 Kilometern zum nächsten Kinderarzt für Eltern zumutbar. Viel zu weit findet Friederike Stoye das, eine gute Versorgung sei so überhaupt nicht möglich.

Viele Eltern finden keinen Kinderarzt mehr, der überhaupt noch aufnimmt. Alleine bei sechs ihrer Kita-Kindern fehlten im vergangenen Jahr die Vorsorgeuntersuchungen. "Die Datenbank der Kassenärztlichen Vereinigung zeigt zwar alle Kinderärzte in Bielefeld an, aber nicht, ob der Arzt noch aufnimmt und wie lange die Wartezeiten bis zu einem Termin sind", sagt die Friederike Stoye. Auch Erhan Kara vom Treffpunkt Liebigstraße der Gesellschaft für Sozialarbeit (GfS) berichtet von ähnlichen Fällen, in denen er aktiv wurde. "Für eine Untersuchung für eine Unter-4-Jährige habe ich erst nach langem Bittstellen einen Arzt gefunden". Auch er ist besorgt. "Ohne Vorsorge können Entwicklungsverzögerungen nicht erkannt werden. Ohne Diagnose gibt es auch keine Frühförderung. Die Kinder werden massiv benachteiligt beim Start ins Leben".

"Das naheliegendste wäre, mehr Kinderärzte in die Stadtmitte zu holen", sagt Leif Pollex, Stadteilkoordinator der Arbeiterwohlfahrt im Bielefelder Osten. Entscheidend ist dabei die Kassenärztliche Vereinigung. Sie legt fest, ob ein Arzt eine Praxis in einem bestimmten Gebiet eröffnen darf oder nicht. "In Bielefeld-Mitte kommen statistisch fast 6.000 kleine Patienten auf einen Kinderarzt", sagt Friedericke Stoye, "ein unmöglicher Zustand, schon ab 1.000 Patienten wird es schwierig". Da brauche sich auch niemand wundern, dass die Notfallambulanzen der Krankenhäuser voll sind, wenn die Versorgung in der Fläche ungenügend sei.

Die Probleme seien Politik und Verwaltung bekannt, doch es fehlten Lösungen die kurzfristig greifen, sagt Stadtteilkoordinator Leif Pollex. Er gehört wie Friederike Stoye und Erhan Kara zum Koordinationskreis Ost, ein Netzwerk von sozialen und bildenden Einrichtungen und Institutionen im Bielefelder Osten, die vor allem mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Das Kindeswohl sei gefährdet, ist sich der Koordinationskreis Ost einig. "Als kurzfristige Maßnahme muss eine kinderärztliche Sprechstunde im Gesundheitsamt her", sagt Erhan Kara. Die Vorteile: Das Gesundheitsamt liegt zentral in der Stadt und ist Teil der Stadtverwaltung. Die Stadt kann kurzfristig aktiv werden und so die Versorgung verbessern. "Sollte die Masernimpfpflicht kommen, wird sich die Lage nochmals verschärfen. Wir brauchen dringend mehr Kinderärzte", fordert Erhan Kara.

Die Unterschriftensammlung läuft noch bis 30. September 2019. Wer unterschreiben oder mitsammeln möchte: Die Unterschriftenlisten sind erhältlich im Treffpunkt Liebigstraße. treffpunkt.liebigstrasse@gfs-bielefeld.de, Telefon 0521.31531.

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