Gut vernetzt in Baumheide: Gülcan Budak.

Brücken bauen

15.12.2018

Die Kita Rabenhof der GfS ist ihre "Ankerkita", berichtet Gülcan Budak. Zuständig ist sie aber für ganz Baumheide. »Brücken bauen in frühe Bildung« heißt ein 2017 aufgelegtes Bundesprogramm. In Bielefeld hat die Stadt für das Programm, das vor allem den Einstieg in die Kinderbetreuung erleichtern soll, vier Kitas ausgewählt, darunter das Kinderhaus Rabenhof mit seinen 56 Plätzen. Die Auswahl sei mehr als berechtigt, sagt Holger Fredrich, Leiter des Kinderhauses. "Die Situation hat sich im Laufe des vergangenen Jahres zwar etwas entspannt, weil es in Baumheide insgesamt mehr Kita-Plätze gibt. Aber alleine bei uns stehen immer noch rund 50 Kinder auf der Warteliste".

Von einem kleinen Büro im ersten Stock des Kinderhauses aus wirkt Gülcan Budak in den Stadtteil hinein. Eltern klofen an ihre Tür, kommen mit ihren Fragen und Problemen zu ihr. Gleich neben dem Büro, im großen Bewegungsraum des Kinderhauses, findet jeden Dienstag vormittags für drei Stunden die Krabbelgruppe statt. Eine offene Gruppe, die Eltern mit ihren Kindern ohne Anmeldung besuchen können.

Der Raum füllt sich schnell. "Meistens kommen rund zehn Mütter und Kinder", sagt Gülcan Budak. Die Erwachsenen sitzen am Tisch, ein oder zwei von ihnen spielen mit den Kindern, gerade so, wie es sich ergibt. Die Eltern nutzen den Raum dafür, Fragen zu stellen und möglichst mit Antworten nach Hause zu gehen. Es geht beispielsweise darum, was getan werden muss, wenn das Kind Fieber bekommt oder wie das mit der Impfung geht.

Manchmal lädt Gülcan Budak Expertinnen und Experten ein, etwa von Biele-Fit, einem Projekt zur Unterstützung von Frauen mit Fluchterfahrung oder der Verbraucherzentrale. Die Themen sind breit gestreut, haben aber immer etwas mit dem Alltag zu tun. "Da geht es auch um das Erkennen von Augenkrankheiten über Ernährung bis hin zur Mediennutzung", sagt Gülcan Budak. Die meisten, die teilnehmen, sind Frauen, die nach Bielefeld geflüchtet sind. Einige leben auch schon länger hier. "Ich helfe ihnen zu verstehen, was sie für ihre Kinder tun können und dass es in Deutschland wichtig ist, Anträge zu stellen, wenn sie und ihr Kind Leistungen brauchen".

Glücklich, wenn sie helfen kann

Glücklich ist Gülcan Budak immer dann, wenn sie den Eltern und ihren Kindern weiterhelfen kann. Dafür kann sie auf bei breites Netzwerk zurückgreifen. So arbeitet sie eng mit der Stadtteilkoordinatorin Melissa Parlapanos und mit den Beratungsstellen im Freizeitzentrum zusammen. Sie weiß, wen sie bei der Stadt Bielefeld anrufen muss, um etwas voranzubringen. Dabei hat sie immer im Blick, die Kinder möglichst rasch ins Versorgungssystem zu integrieren, schaut, wo ein Kita-Platz frei ist oder eine Tagesmutter.

Die Mütter genießen die Zeit in der Gruppe. Sie bekommen wichtige Informationen, verbessern ihr Deutsch, können sich untereinander austauschen. Bis Ende 2020 läuft das Programm, wie es weiter geht, ist offen. "Wir sind froh, dass wir ein solch niedrigschwelliges Angebot machen können und viele Eltern erreichen", freut sich Gülcan Budak. Zu ihrer Zeit habe es solche Programme nicht gegeben, erinnert sich die 46-jährige an ihre eigene Kindheit. Sie und ihre Geschwister hätten nie eine Kita besucht. »Die Mutter war nicht berufstätig, damit war klar, dass kein Bedarf besteht«, sagt sie, »für uns war der Start in die Schule entsprechend schwierig.«

Gülan Budak ist im Kinderhaus Rabenhof, Rabenhof 57a zu erreichen, montags bis donnerstags von 9 bis 14 Uhr, Telefon 0151. 15879292

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