„Kinderinsel“ nun bei der GfS
Ben-Luca knetet einen Wurm, Johanna hingegen will lieber ein Flugzeug aus der grünen Knetmasse formen. Wenige Minuten später wird aus dem bauchigen Flieger ein geschmeidiger Ring. Die Zweijährigen der „Kinderinsel“, einer Kindertageseinrichtung für Unter Drei Jährige, sind noch ein bisschen verschlafen, gerade noch kuschelten sie sich unter Decken im Ruheraum. Da ist Kneten genau das richtige, um langsam wach zu werden. Alle Kinder sind konzentriert bei der Sache.
Die „Kinderinsel“ ist vor vier Jahren auf Initiative von Eltern entstanden. Das Angebot an Plätzen für Kinder unter drei Jahren ist nicht nur in Bielefeld immer noch knapp. Also gründeten betroffene Eltern aus der ganzen Stadt einen Verein und mieteten Räume am Ehlentruper Weg an und stellten Fachkräfte ein. Die „Kinderinsel“ lebte aber auch vom Engagement der Eltern, da musste geputzt oder der Rasen in dem kleinen Garten gemäht werden.
Seit dem 1. Januar 2009 nun gehört die „Kinderinsel“ zur GfS (Gesellschaft für Sozialarbeit). „Wir haben diese Entscheidung im Einvernehmen mit den Eltern und den Beschäftigten getroffen“, sagt Gülümser Ogur. Die selbstständige Kosmetikerin war bis zur Auflösung des Vereins Ende Dezember die Vorstandsvorsitzende des Vereins.
Mehr Kontinuität
„Die Eltern sind höchstens zwei Jahre bei uns, das ist eine kurze Zeit“, berichtet Gülümser Ogur. Alle zwei Jahre stand der Wechsel des Vorstands an, auch Gülümser Ogur wäre so oder so Ende Dezember zurückgetreten, weil ihr inzwischen dreijähriges Kind Aliya vor Kurzem in eine Kita wechselte.
Jeder neue Vorstand musste sich neu einarbeiten. „Da übernimmt man eine Menge Verantwortung. Um der gerecht zu werden, muss man viel Zeit einbringen“, weiß Gülümser Ogur aus eigener Erfahrung. Auch den Erzieherinnen fehlte ein dauerhafter Ansprechpartner. Darin sieht Gülümser Ogur auch die Gründe für den Wechsel zur GfS. „Die GfS wird hier langfristige und sichere Strukturen gewährleisten“, sagt sie, „so bekommt die Kinderinsel eine gute Perspektive“.
Bei der GfS ist die „Kinderinsel“ hoch willkommen. Im Kinderhaus Am alten Dreisch betreibt die GfS bereits eine weitere U-3-Gruppe, die Wühlmäuse. „Gerade im Bereich der Angebote für Kinder wollen wir noch wachsen“, sagt Frank Horn, Fachbereichsleiter der GfS.
Investitionen in die Zukunft
Die „Kinderinsel“ wird zunächst so weitergeführt, wie sie ist. „Alle Mitarbeiter werden zu den bisherigen Bedingungen übernommen“, sagt Frank Horn. Zum 1. August 2009 wird aus der Kinderinsel eine Einrichtung, die nicht mehr nur von der Stadt sondern auch vom Land gefördert wird. Dies wird durch das neue Kinderbildungsgesetz (KiBiz) möglich, das besonders die Angebote für die Unter Drei Jährigen in den Blick nimmt. Mit dem zusätzlichen Geld kann dann etwa in die Räumlichkeiten investiert werden.
Die knapp 20 Kinder werden die Veränderungen kaum wahrnehmen. Sie fühlen sich schon jetzt gut aufgehoben in den zwei Gruppen. Und auch die Zusammenarbeit mit den Eltern soll gut bleiben. „Wir wollen mit den Eltern eng zusammenarbeiten“, bekräftigt Frank Horn. Er kann dabei auf die guten Erfahrungen im Kinderhaus Am Alten Dreisch zurückgreifen, in dem die Kooperation mit den Eltern einen besonderen Stellenwert hat.


