Kinderhochzeit ganz groß
Einen Kuß geben, das geht dann doch zu weit: Doch ansonsten ist vieles schon wie im Erwachsenen-Leben. Blumenmädchen, Kuchenbäcker und Brautführer tummeln sich um das Brautpaar, ja selbst die Ringe werden auf einem samtenen, roten Kissen gereicht. Die Kinderhochzeit der Emmagruppe in der GfS-Kita „Wilde 13“, bei der sich sechs der 25 Kinder vermählen, ist ein echter Höhepunkt im Kita-Kalender.
Die Idee stammt eigentlich von Frieda. Die Sechsjährige kündigte aus dem Nichts an einem grauen Dezembertag an, später Finn-Elias heiraten zu wollen. Das war eine klare Ansage, die bei dem Fünfjährigen sogar auf Gegenliebe stieß. Schnell machte die Neuigkeit die Runde, und plötzlich wollten auch weitere Kinder heiraten. »Das Interesse der Kinder am Thema Heiraten war groß. Wir haben dann überlegt, was wir gemeinsam mit den Kindern daraus machen können«, erklärt Roland Kurilla. Der Erzieher der Kita, selbst seit fünf Jahren unter der Haube, packte die Sache gemeinsam mit seinen Kolleginnen an.
Das Standesamt war über seinen Anruf überrascht. Eine Kita-Gruppe, die alles genau wissen und auch noch zur Probe heiraten will, das gab es noch nie. Doch innerhalb weniger Tage hatte das Amt einen Termin gefunden und die Kita-Gruppe rückte im Neuen Rathaus an. Die Standesbeamtin Frau Krause fanden die Kinder besonders nett, denn sie erklärte genau, was bei einer Hochzeit passiert. Selbst eine Probetrauung mit richtiger Unterschrift war drin.
Derart inspiriiert, liefen die Planungen für eine Hochzeit in der Kita selbst an. Ende März war es dann soweit: An einem Freitag Nachmittag kamen Eltern, Opas und Omas in die Kita, sie brachten Kuchen mit und eine fröhliche Hochzeitslaune. Die drei Kinderpaare traten unter einem Blitzlichtgewitter vor den Spieltisch, der an diesem Nachmittag der Traualtar war. »Bis der Tod euch scheidet, diesen Spruch wollten die Kinder natürlich nicht. Sie haben dann vorgeschlagen, bis zur Schule«, erläutert Roland Kurilla. Festlich gekleidet gaben sich Frieda, Finn-Elias, Leni, Yannis, Carlo und Carlotta das erste »Ja«-Wort in ihrem Leben. Sie taten dies aus eigenen Stücken, und wohl aus einer gehörigen Portion Neugierde. Dahinter stehe das große Thema Freundschaft, erklärt der Erzieher, und die Erkenntnis, dass Freunde sich auch mal streiten dürfen, ohne dass die Beziehung gleich zu Ende ist.
In den Wochen davor hatten die Kinder eine Collage aus Zeitungsbildern zum Thema Hochzeit gebastelt, in einem kleinen Buch Hochzeitsfotos ihrer Eltern zusammengetragen, ja selbst darüber gesprochen, dass auch zwei Jungs oder Mädchen miteinander verheiratet sein können. Gesungen wurde auch: Von Dornröschen, die von einem Prinz befreit wird, der sie gleich auch
noch heiraten will oder vom Schornsteinfeger, dessen Vater gegen eine Hochzeit ist, der seinen Traum aber trotzdem erfüllt, indem er mit seiner Liebsten nach Afrika durchbrennt.




