25 Jahre Sozialberatung in Baumheide

 

Seit 1983 berät Ulla Albers in der Beratungsstelle Baumheide Menschen, die wenig Geld haben. Seit der Einführung von Hartz IV kommen immer mehr.

 

 

„Ich habe großen Respekt vor den Menschen, die hier hinkommen“, sagt Ulla Albers, „Respekt davor, wie sie trotz der schwierigen Umstände ihr Leben meistern“. Seit nun 25 Jahren berät die Sozialpädagogin Menschen im Freizeitzentrum Baumheide. Die Sozialberatung der Gesellschaft für Sozialarbeit (GfS) hat sich im Laufe des Vierteljahrhunderts zu einer festen Größe in Baumheide entwickelt.

 

An zwei Tagen in der Woche findet eine offene Sprechstunde statt, ansonsten können kurzfristig Termine vereinbart werden. Doch eigentlich klopft es von Montag bis Freitag an der Bürotür. „Viele kommen kurz vorbei und erzählen was passiert ist“, sagt Ulla Albers. Die Ratsuchenden berichten etwa von ihrem Besuch bei Arbeitplus, die die Arbeitslosengeld-II-Empfänger betreut. Sie zeigen Anträge und Bescheide vor, die sie nicht verstehen. Die Menschen, die sie aufsuchen, sind Arbeitslose und arme Senioren, oft auch Menschen mit psychischen Problemen.

 

Bei ihren Klienten genießt Ulla Albers großes Vertrauen. Die Sozialberatung, die sie und ihre Kollegin Petra Sieker durchführen, ist unabhängig und unterliegt der Schweigepflicht. Daten werden nicht weitergegeben. „Natürlich verstehe ich meine Aufgabe darin, Partei für die Ratsuchenden zu ergreifen“, sagt Ulla Albers.

 

Seit Hartz IV kommen mehr

 

Seit der Einführung von Hartz IV kommen deutlich mehr Besucher in die Sprechstunde. Arbeitplus hat keine Außenstelle in Baumheide. Zudem findet bei Arbeitplus anders als früher beim Sozialamt keine offenen Sprechstunden mehr statt. Viele kommen, um im Vorfeld zu klären, ob überhaupt ein Leistungsanspruch besteht oder ob der Gang zur Behörde überflüssig ist. „Ein wichtiger Faktor ist auch, dass die Antragsformulare viel umfangreicher geworden sind“, berichtet Ulla Albers. Alleine um die Bedürftigkeit nachzuweisen, sind viele Unterlagen nötig. Damit seien viele Arbeitslose und ältere Menschen, die eine Grundsicherung beziehen, überfordert.

 

Die Sozialberaterin hilft dabei und sammelt mit den Klienten die Dokumente. Seit April 2008 ist auch der Folgeantrag, der bei Arbeitslosengeld-II-Bezug alle sechs Monate gestellt werden muss, umfangreicher geworden. Die Menschen kommen in die Beratung, „weil sie Angst haben, ein Kreuz an der falschen Stelle zu machen und dann kein Geld zu bekommen“, weiß Ulla Albers.

 

Die Sozialberatung ist auch Vermittlungsstelle

 

Die Sozialberatung ist oft genug auch Vermittlungsstelle. Öfters als früher stehen Klienten unter Dampf. Sie kommen mit Unverständnis, oft genug aber auch mit Angst oder Empörung zu ihr. Für viele sind die Bescheide von Arbeitplus unverständlich, manchmal sind sie sogar fehlerhaft. Ulla Albers ruft dann bei Arbeitplus an und versucht Dinge zu klären. Eine hilfreiche Vermittlung, verhindert sie doch, dass die Situation zwischen dem Klienten und seinem Sachbearbeiter bei Arbeitplus hochkocht und lange Briefwechsel entstehen. So hat sich die Einstellung der Ämter gegenüber der Sozialberatung in den vergangenen Jahren verändert. Die Anerkennung für die Tätigkeit ist gewachsen, und die Behörden sind heute oft dankbar, weil ihnen so eine Menge Ärger erspart bleibt.

 

„Im Unterschied zu früher ist inzwischen vieles hinzugekommen“, sagt Ulla Albers. Die Sozialberatung vermittelt auch bei Problemen mit der Krankenkasse oder dem Versorgungsamt, sie hilft, wenn es um Wohngeld, Elterngeld oder auch Schuldenregulierung geht. Eine Frau kommt einmal in der Woche mit ihrer gesamten Post, weil sie sich nicht sicher ist, wie sie mit Zahlungsaufforderungen, Gewinnspielen und Lockangeboten umgehen soll. Sie könne wichtige von unwichtiger Post nicht unterscheiden. Andere kommen, weil sie sich von einer Drückerkolonne viel zu teure Handy-Verträge haben aufquatschen lassen, die sie nun wieder los werden wollen.

 

Enge Verzahnung mit weiteren Angeboten

 

Auch kann die Beratung besonders für ältere Menschen und Personen mit psychischen Erkrankungen für eine gewisse Zeit rechtliche Betreuungen hinausschieben, wenn Menschen bei ihren Geldangelegenheiten den Überblick verlieren. Und die Sozialberatung ist der Eintritt in weitere Beratungsangebote der Beratungsstelle, die Erziehungs- und Familienberatung der AWO und die Ehe- und Lebensberatung der GfS. Die drei Bereiche sind eng verzahnt, so dass umfassende Hilfe möglich ist.

 

Die Sozialberatung führt im Freizeitzentrum jeweils mittwochs das Café Floh durch. Rund 200 Menschen strömen dann in die Halle des Freizeitzentrums, um gebrauchte Kleidung und Kinderspielzeug zu verkaufen und zu kaufen, Kaffee zu trinken und zu klönen. Jeweils Dienstags findet ein Frühstückstreff statt. Inzwischen kommen rund 20 Langzeitarbeitslose und ältere Menschen, die nur eine kleine Rente beziehen, zusammen. „Solche Möglichkeiten sind sehr wichtig, weil sie den Menschen erlauben, zumindest für kurze Zeit ihre Sorgen zu teilen oder gar einen anderen Umgang zu finden“, erläutert Konrad Rühling, Leiter der Beratungsdienste der GfS.

 

„Die Armut hat zugenommen, gerade bei Familien und Alleinerziehenden mit Kindern“, stellt Ulla Albers heraus. Es fehle an vielen Stellen: Die Kinder bekämen keine Nachhilfe, Urlaub sei genauso wenig möglich wie gesunde Ernährung. Sie fordert, die Regelsätze für Arbeitslosengeld-II-Empfänger deutlich zu erhöhen. Auch die Unterstützungsangebote müssten ausgebaut werden. Eine Migrantin als Kollegin wünscht sich Ulla Albers, um die mehr gewordenen nichtdeutschen Klienten noch besser zu erreichen. . Außerdem wünscht sie sich, dass dauerhaft eine Stelle für eine Verwaltungskraft eingerichtet wird, um die Erreichbarkeit der Beratungsstelle zu gewährleisten und Unterstützung beim Schriftverkehr zu erhalten. Dazu bräuchte die Sozialberatung in Baumheide, die von der Stadt finanziert wird, allerdings mehr Geld.

 

Die Sozialberatung ist unter der Telefonnummer 0521. 51 26 48 zu erreichen.